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Über meine Bilder

Meine Sprache ist nicht die der Worte, sondern die der Farbe. Dennoch möchte ich dem geneigten Betrachter mit den folgenden Erläuterungen Einblicke zum Verständnis meiner Kunst geben.

Im Zentrum meiner jüngsten Arbeiten geht es um die Begegnung mit sinnlichen Erfahrungen. Ich versuche die Vielschichtigkeit des Lebens mit dem Baustoff Farbe darzustellen, wobei ich mich verschiedener Gegensatzpaare im farblichen Ausdruck bediene: Farbkontraste, runde/gerade Linien, gegensätzliche Oberflächenbearbeitungen des Farbauftrags und unterschiedliche Malmittel. Meine expressiv gestalteten Bilder entstehen zunächst in intuitiver Arbeitsweise , unterstützt durch  Musik. Diese gegenstandslosen Bilder stellen einen Versuch dar, den Kosmos der Gefühlswelt in einem jeden von uns anschaulich zu machen. Grundlage dafür ist eine tiefe Verbundenheit zu Natur, Mensch und Kosmos. Bei allen meinen Gestaltungen vertraue ich der Intuition, lasse mich aber auch von den fundamentalen Grundzügen der organischen Form anregen.

Bei meinen neuesten Bildern erprobe ich die Darstellung von Gefühlen. Ich versuche, durch sensitive Herangehensweise mit unterschiedlichen Farbmitteln und Materialien Gefühle, Ängste, Erlebnisse, Hoffnungen etc. darzustellen. Die einzelnen Farben haben in diesem Prozess unterschiedliche Bedeutungen, Eigenschaften und Wirkungen, je nachdem in welchem Farbzusammenhang sie stehen. Der Entstehungsprozess meiner Bilder ist ferner gekennzeichnet durch mehrfaches Überarbeiten, zum Teil Übermalen des ursprünglich angelegten Bildzusammenhangs.

Bei meinen Gestaltungen setze ich neben Acrylfarben, Tinten und Lacken auch Gold- und Silberfarben ein. Entgegen der vorherrschenden Meinung, diese Farben bergen den Touch des Kitsches in sich, verwende ich sie zur Hervorhebung der für mich wichtigen Bildelemente oder im Zusammenspiel mit nasser, weißer Farbe als Strukturierung des Bildgrundes.

Angeleitet durch meine langjährige Künstlerfreundin Gönül Sen und im Austausch mit den Künstlergruppen "KÖL-TÜR" und "Kulturfeld"  entwickelte ich im Laufe der letzten Jahre immer mehr Mut zur freien abstrakten Gestaltung. Ich sehe mich selbst hier immer noch auf dem Weg eines Prozesses, dessen Ziel noch nicht erreicht ist, wobei für mich auch dieser Prozess von großer Bedeutung ist. Begonnen habe ich vor Jahren mit stark farbigen Gestaltungen, vor allem Landschaftsdarstellungen in unrealistisch expressiver Buntheit, die den Ausdruck von Lebensfreude beinhalten. Dies ist jedoch nicht das einzige Anliegen meiner Kunst. Neben der lebensbejahenden Farbigkeit kamen im Laufe der Zeit unterschiedliche Materialien in meine Bildwelten, die auch noch andere Aspekte des Lebens und der Gefühlswelt symbolisieren. So verstehe ich auch z.B. die Verwendung von Tannennadeln mehrdeutig: zum einen bedeuten sie für mich den Teil eines Baumes - Baum verstanden unter der Bedeutung eines beschützenden Elements, Teil der Natur - andererseits jedoch auch als eine Spitze, etwas Verletzendes , Bedrohliches.

In einigen meiner Bilder "spiele" ich auch mit den Produkten unserer technisierten Welt z.B. mit Nägeln, CDs bzw. mit Bruchstücken von CDs und mit Computerkarten. Dabei beabsichtige ich wiederum eine Doppeldeutigkeit. Neben dem von den CDs ausgehenden, durch unterschiedlichen Lichteinfall hervorgerufenen Glanz und dem Strahlen in allen Farben des Regenbogens, das für mich einen Höhepunkt im Ausdruck des Bildzusammenhangs symbolisiert, möchte ich jedoch auch durch die Verwendung von Bruchstücken Verletzungen, Schnitte, Brüche im sozialen und emotionalen Bereich z.B. Gefühlsverletzungen ansprechen.

Somit stellen viele meiner Bilder durch die unterschiedlichen Gestaltungselemente und Farbkontraste den Versuch dar, die ambivalente Gefühlswelt des Menschen auszudrücken. Diese setzt sich ganzheitlich jeweils aus gegenpoligen Aspekten zusammen, hellen und dunklen Farbeinheiten, glattem und strukturierten Malgrund, lasierendem und gespachteltem Farbauftrag etc, wobei ich dem Betrachter seine eigene Interpretation schon aufgrund seiner individuellen Gefühlslage zugestehe. Dies ist auch der Grund dafür, dass ich meinen Bildern keine Titel gebe. Dadurch entsteht für den Betrachter die Möglichkeit seine subjektiven Empfindungen in seine eigene Deutung bzw. Bedeutung des Bildes mit einzubringen, wobei unterschiedliche Deutungsansätze unterschiedlicher Betrachter von mir durchaus intendiert sind.

Birgit Königs